„Imam“ ist die arabische Bezeichnung für denjenigen, „der die Spitze einnimmt“, d.h. das rituelle Gebet (Salat) leitet. Da der sunnitische Islam keinen Klerus besitzt, kann jeder gläubige Moslem, der den Koran gut kennt, als Imam fungieren. Vor allem in kleineren Moscheen dienen oft gut beleumundete Männer aus bürgerlichen Berufen ohne einschlägige Ausbildung, als Vorbeter.

Das Amt des Imams beim Gebet ist kein Beruf, wenngleich die Gemeinschaften und die einer Moschee zugeordneten Wohnviertel einen Imam ernennen, der zum Beispiel die Freitagspredigt, die Chubta, hält, die rituellen Körperbeugungen vorexerziert und die jeweiligen Formeln vorspricht. In Beziehung zu den Gläubigen ist er eher eine Respektsperson als jemand, an den man sich mit privaten Problemen wendet.

Wenn drei Moslems gemeinsam beten, bestimmen sie einen aus ihrer Gruppe zum Imam. Dabei fällt die Wahl auf den, der die besten religiösen Voraussetzungen dazu mitbringt. Der Imam kann einen Umhang und eine Kopfbedeckung anlegen. Damit ist jedoch kein geistliches Amt verbunden, sondern die Konzentration auf das Gebet soll verstärkt werden.

Die Schiiten verstehen unter Imamen die leiblichen Nachfahren Alis, dem aus ihrer Sicht einzig legitimen Erben Mohammeds. Sie schreiben dem Imam die Rolle eines sündenlosen Heiligen, eines begnadeten und unfehlbaren Fürsprechers zwischen Gott und Mensch zu. Rechtmäßige Imame waren Ali, der vierte rechtgeleitete Kalif und erste schiitische Imam, sowie seine Nachfolger, die von ihm und seiner Frau Fatima abstammen müssen. Es kann nie mehr als einen Imam zur selben Zeit geben, und so hat die Bestimmung des „wahren“ Imams oftmals zur Abspaltung von Sekten und Gruppen geführt. Der letzte Imam ist nach schiitischem Glauben nicht gestorben, sondern lebt im Verborgenen weiter. Seine Rückkehr wird jederzeit erwartet (Verborgener Imam)